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LehrerInneninformation:
Kofi Annan: "No one is born a good citizen; no nation is born a democracy"
„...in dem Alter heiraten wir nicht in Indien... ”, lautete der insgeheime Vorwurf eines Grenzbeamten gegenüber der Schriftstellerin Renate Welsh bei ihrer Einreise nach Indien. Mit diesem Einstieg vermittelte sie den SchülerInnen der Europaschule Budapest von ihren Erfahrungen mit dem Anderssein. Der indische Grenzbeamte hat damit sein Vorurteil gegenüber Frau Welsh deutlich gemacht. Mit dieser Herabwürdigung hat er seine Moral über die ihre gestellt und er hat damit zum Ausdruck gebracht, dass sie so wie sie ist, in seinen Augen weit weniger wert ist als er selbst. Nahezu alle Menschen halten sich den anderen Menschen überlegen. Grund dafür ist das Naturgesetz der natürlichen Selektion, das Charles Darwin als "survival of the fittest traits" beschrieben hat. Bewusst oder unbewusst, die einen mehr, die anderen weniger, halten sich deshalb für unverzichtbar - ähnlich wie es im Buch The Selfish Gen beschrieben wurde. Hintergrund dafür ist der uns auferlegte evolutionäre Zwang, unsere Gene möglichst erfolgreich an künftige Generationen weiterzugeben.
Hybris nannten die alten Griechen dieses Verhalten. Manche, besser gesagt viele Menschen (egal welchen Geschlechts und welcher Herkunft) sind dabei gar nicht zimperlich. Fast alle Konflikte haben hier ihren Ursprung. Dieses Verhalten ist in Jahrtausenden der Evolution entstanden, offensichtlich um den Menschen dadurch vor dem seelischen Zusammenbruch nach Schicksalsschlägen zu schützen. Eine Mischung aus Angst und Lust ist dabei die biologische Grundlage, die man neuerdings sogar im Scanner beobachten kann.
Fremdenfeindlichkeit, die phylogenetisch ebenso auf diese Mischung zurückzuführen ist, ist ein Übel, das im demokratischen Rechtsstaat nur von den dafür zertifizierten Erziehern, Lehrern und Pädagogen ausgeübt werden kann und darf. Die Eltern (oft alleinerziehende Mütter!) sind damit ohnehin meist überfordert, es fehlt ihnen neben der Zeit und den finanziellen Ressourcen, meist auch die Sachkenntnis. Der aktuelle Trend diese Probleme an Schulpsychologen, Peerladers und ähnliche Modelle auszulagern, ist absolut kontraproduktiv, weil der einzelne Erzieher und Bildner dadurch nur noch mehr an Gespür für den Anderen und damit automatisch an Respekt verliert, was das Zusammenleben in einer globalisierten Welt immer mehr behindert.
Wie uns die moderne Gehirn-, und Kognitionsforschung bestätigen, kann der Mensch seine Wesensveränderungen nur aus Eigenem bewerkstelligen. Voraussetzung dafür ist ein konsequentes wie ganzheitliches (lebenslanges) Lernen, wobei auf geistige wie soziale Ghettos zu verzichten ist. Nur die Vielfalt an Perspektiven und Optionen, nur das langsame Heranführen an das Risiko kann junge Generationen helfen die Zukunftsaufgaben besser zu bewältigen.
Es ist deshalb eine immer wichtigere Aufgabe der Schule, diese Thematik so zu behandeln, damit LernerInnen eine Wahrnehmungs-, und damit auch eine Bewusstseinsveränderung bei sich selbst entwickeln lernen. Dass das nötig ist, sagt uns der frühere UNO Generalsekretär Kofi Annan in seinem Eingangszitat. Lineares lernen (auswendig lernen) und die Ansammlung von politikbezogenem und staatsbürgerlichem Wissen zeigte diesbezüglich bisher wenig bis gar keinen Erfolg. Ein "Lernen aus der Geschichte", wie man es so oft hört, ist in Wahrheit nicht möglich weil unser Genprogramm nur dann Veränderungen erlaubt, wenn man sich neue Standpunkte selbst erworben hat. Mit diesem Ziel und nicht zuletzt um die Erfahrungen in der Deutschen Sprache zu erweitern, erfolgte dieses Projekt. |