Lernkultur - Einleitung


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LehrerInneninformation:  

 

Was Hänschen nicht erlernt, lernt Hans nimmermehr!

Dass man das Lesen, Schreiben, Rechnen spätestens in der Schule erlernt, ist allgemein bekannt. Doch nur sehr wenigen Menschen ist bewusst, dass Frieden schaffen und Frieden erhalten genauso erst erlernt werden muss. Erst vor wenigen Jahren wurde erforscht, wie das Lernen im Gehirn vor sich geht: alles Lernen läuft nach demselben Schema ab. Dazu gehört auch das Erlernen der Muttersprache, genauso wie auch das Erlernen demokratischen Verhaltens. Letzteres hat man bisher überhaupt verabsäumt, obwohl es dringend nötig wäre um eine eine friedlichere Welt zu gestalten. Wie das vor sich gehen kann? Nun, alle Lernformen sind Kulturleistungen, die uns, anders als die ererbten Faktoren von Angst und Lust, nicht in die Wiege gelegt wurden. Aus diesen Faktoren folgt, dass jeder Mensch mehr oder weniger fremdenfeindlich, ja sogar rassistisch ist, weil diese Phänomene mit unbewussten Ängsten in Verbindung stehen, die lebenslang in unseren Gehirnen ablaufen, ob wir das nun wollen oder nicht. Aus der Geschichte können wir lernen - selbst die Bibel ist voller solcher Berichte - dass dieses Dilemma die Menschheit seit jeher sehr belastet. Diese Erkenntnis ist vor allem für jene Menschen von Bedeutung, die nicht verstehen können, dass u.a. Konflikte, wie sie bspw. im Nahen Osten, auf der Iberischen Halbinsel, in Irland oder am Balkan über Jahrtausende hinweg stattfinden, nicht so ohne weiteres aus der Welt zu schaffen sind. Autoritäres und selbstherrliches Verhalten, das auf den beiden Komponenten Angst und Lust aufbaut, ist also auch die Grundlage für den Unfrieden auf der Welt, sei es im Persönlichen, in der Familie oder bei Staaten. Lernen, das laut Karl Popper dem Problemlösen im Leben dient, ist deshalb in erster Linie: Demokratie lernen, wobei es primär um Ausgleich und Gerechtigkeit geht.

 

Wie Wissenschaftler erst neulich herausgefunden haben, gibt es hinsichtlich dieser ererbten Ängste einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Lernen. Denn anders als die meisten Tiere sind wir Menschen mit einem Kontrollzentrum (Lymbisches System) ausgestattet, das jedoch, wie alle anderen Emotionen und Wahrnehmungen auch, nicht immer, und auch nicht bei allen Menschen gleich gut, funktioniert. Schließlich ist die Evolution des Homo Sapiens noch lange nicht abgeschlossen. Dennoch gibt es Hoffnung! Wenn es ihm Rahmen von professioneller Erziehung und Bildung gelingt, dieses Kontrollsystem im Gehirn positiv zu stimmulieren, kann man  erreichen, dass sich aggressiv veranlagte Mitbürger kontrolliert verhalten. Dieses soziale Lernen muss eigentlich von Jugend an implizit vermittet werden. Damit erst in der Mittelstufe oder gar erst in der Oberstufe (ein/zwei Unterrichtsstunden Politische Bildung) zu beginnen ist jedenfalls kein zielführender Weg, was auch alle einschlägige europäische Studien zu dieser Thematik beweisen. Diese Situation zu verbessern ist u.a. Sinn und Zweck von YCR-E. Schule, Erziehungs- und  Bildungsinstitutionen haben diese wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Gehirn- und Genforschung bisher leider weitgehend ignoriert und stehen ihnen meist auch ablehnend bis feindselig gegenüber. Mit ihnen tun dasselbe Politik und Medien, fürchtet man doch, dadurch die eignen Defizite offenzulegen und dadurch einen irreversiblen Machtverlust zu erleiden. Schließlich handelt es sich dabei um einen Paradigmenwechel in der Bildungspolitik. Allein der Blick auf das Schulbuchbusiness zeigt, um welche Dimensionen es dabei handelt. Würde man nämlich gehirngerecht unterrichten, müssten Schulbücher eigentlich über Nacht abgeschafft werden. 

 

Immer wieder taucht auf diesem Webportal dieser Begriff "gehirn-gerecht" auf, was an sich nur eine Übersetzung des amerikanischen Begriffes "brain-compatible" darstellt. Was genau bedeutet das? Nun, wir würden diesen Begriff lieber mit artgerecht oder menschengerecht ausdrücken. "Evolutionsadäquat" wäre eine weitere Bezeichnung, die aussagten könnte, dass es dabei nicht nur um unsere Gehirnstrukturen und -prozesse geht, sondern um unser reflektives Verhalten insgesamt. Insbesondere geht es dabei um die Kontrolle unserer in der tierischen Vergangenheit begründeten Triebe. Lernen das Sinn macht ist also das Ziel.  Doch vielfach gibt es auch um dieses unscheinbares Wort große Missverständnisse, denn mit sinnvoll kann schließlich nur gemeint sein, was der Existenzsicherung des Individuum und der Spezies dient. Die genetische Disposition (eine Mischung an Oxytocin, Testosteron, u.a. Hormonen und Botenstoffen) ist zwar die Voraussetzung für kulturelle Vergegnungen, es braucht in der Regel aber auch noch andere, meist sozial bedingte Interventionen, um die jeweilige Sucht, Manie, Phobie, oder Zwangsneurose in Gang zu setzen.  Der Druck der Gruppe, der eigentlich entstanden ist um dem Homo Sapiens beim Überleben zu helfen, ist einer der Gründe dafür. Neuere Forschungen bestätigen, dass das persönliches Beispiel das Eltern, Lehrer oder anderer Vorbilder (Fankult!) durch die Summe ihrer Haltungen und Entscheidungen im Alltag (Spiegelneuronen) ausschlaggebend für den Weg des Jugendlichen sind, den er später einmal im Leben selbst gehen wird. Diese Spiegelneuronen sind aber auch dafür verantwortlich, dass Jugendliche primär die Verhalten (u.a auch die Disziplinlosigkeiten)  ihrer Umgebung (Eltern, Lehrer,...) spiegeln, sie können gar nicht anders. 

 

Obige Klarstellungen sind vor allem deshalb notwendig, weil es heute immer mehr kommerzielle Angebote gibt, die sich durch das Label "gehirngerecht" oder "brain compatibel" dem Konsumenten nähern.  So wird ein "Turbolernen", ein "Accellerated Learning" und ähnlicher der Esotherik naher Unsinn in die virtuellen und echten Buchläden gebracht. Doch Vorsicht, wer immer ihnen verspricht, dass Lernen nicht nur ganz leicht ist, sehr schnell geht und man nur bestimmte Tricks/Methoden anzuwenden braucht, hat es vorwiegend auf ihr Geld abgesehen. Lernen braucht schließlich immer seine Zeit und Muße (siehe die "10 Goldenen Regeln der modernen Bildung"). Umwege und mögen sie noch so trickreich, spielerisch, oder gar mimetisch sein, funktionieren leider nicht. Lernen muss vor allem, wenn es erfolgreich sein soll, echten Sinn machen, um dadurch dem Leben Struktur und Zufriedenheit zu geben. 

 

In der linke Spalte "Inhalt" finden Sie Überschriften zu weiteren Themen und Berichten, darunter eine Vorstellung der bedeutendsten Gehirnforscher, die in diesem Zusammenhang von Interesse sind.

Was Sprache und insbesondere Fremdsprache damit zu tun hat, lesen Sie dazu bitte den interessanten Beitrag von Univ. Prof. Klaus-Börge Boeckmann (Wien), den wir mit seiner Genehmigung als Webpaper hier veröffentlichen:



 


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